"Kongs große Stunde". PARSIFAL. Trump

am 26. Mai 2017

KING KONG trifft PARSIFAL. Und Donald Trump verströmt das "Charisma eines betrunkenen Elefanten". An zweiten Kluge-Abend im Festwochen-Schwerpunkt PARSIFAL VERLERNEN im Stadtkino wird Franz Schuh in Vertretung des erkrankten Meisters, assistiert von Claus Philipp, lesen, erzählen - und irgendwann wohl vielleicht im Weissen Haus landen.

Grenzen des Mutterwitzes. Mutterwitz ist ansteckend.

Die wache Ahnung, immer zwei Schritte vor dem Stolperschritt des Söhnchens. Die Hand Herzeloydes streckt sich schon aus. Aber sie greift nicht zu. Der Junge muss hinfallen, seine Erfahrung selbst machen. So war sie schon jeder törichten Handlung ihres geliebten Gahmuret voraus gewesen. Sie wusste am Morgen, welche Sammlung an Unsinn, „Taten“, Schädigung Dritter sie am Spätnachmittag registrieren würde. Sie konnte in der Frühe anfangen mit der Sammlung eines Vorrats an Gesten der Wiedergutmachung, an Begütigungen, kleinen Geschenken. Viel Feindschaft räumte sie ihrem Ritter aus dem Weg.

Sie war eine großzügige Natur. Witz kommt aus dem Überfluss. „Wes das Herz voll ist, dem springt Witz in die Augen“. Überschwänglich arbeitete sie daran, Mutterwitz in Parsifal, das Einzige, was ihr außer Hof, Gesinde und Viehzeug geblieben war, EINZUFÜLLEN. Der Sohn Gahmurets, ihr Kleiner, war aber keine Flasche, in die man etwas gießen kann. Alle Mühe nützte nichts.

Auch war im Witz und Verstand Herzeloydes ein Widerspruch eingeschlossen. Der Junge sollte auf keinen Fall das Programm der Väter fortsetzen. Er sollte untauglich gemacht sein für die unerbittlichen Sitten in der Genossenschaft des Adels. Sollte er Einsiedler werden? Ein Ackerbauer? Ein Wanderer? Schriftgelehrter? Kavalier ohne Waffen?

„Du liebes Kind, komm her und mach kein Licht /
wo bist du? Da! Die Zähne sieht man nicht! /
Bist ohne Stimme nicht mehr so betörend /
doch schön genug, dass mein Vergnügen, glued.“

Herzeloyde hatte kein klares Bild vom Richtigen. Sie suchte nur das Falsche abzuwehren. So gab sie ihm, die Kluge, keinen vollen Verstand, sondern Partikel ihrer Vorsicht mit auf den Weg (und sie meinte gar nicht, dass sie sich auf den Weg machen sollte, er sollte bei ihr bleiben). Sie nähte ihm ein Narrenkleid. Das sollte ihn vor dem Gröbsten bewahren, unpassend machen für die eingeschliffene Welt draussen. Soviel VERSTAND AUF VORRAT überträgt sich schwer, bei Ambivalenz überhaupt nicht.

Als Parsifal sie verließ, war Herzeloydes Mutterwitz aufgebraucht. Die Fröhliche konnte ohne Witz und ohne ihr Liebstes nicht leben. Sie starb auf der Stelle. Bei Chretien de Troyes sieht man den davonziehenden Parsifal. Er blickt sich noch einmal um, sieht wie die Mutter stürzt, er setzt seinen Weg fort. „No hay caminos, hay que caminar“. Bei Wolfram von Eschenbach sieht Parsifal nichts vom Tod seiner Mutter. Jahre später erfährt er, dass sein Wegzug Herzeloyde umbrachte.

Wenn der Mutterwitz in Herzeloyde versiegte, auf Parsifal so wenig übersprang wie zuvor auf Ritter Gahmuret, wo ist er dann in diesem Epos geblieben? Er ist beiden Dichtern (Chretien des Troyes, Wolfram von Eschenbach) angewachsen. Weit unterhalb des Schwarz-Weiß der Tinte auf einem Pergament oder der farblich widersprüchlichen Federn einer Elster fließt ein Grundwasser, das nie versiegt. Es ist der „schräge Blick“, es ist das hellsichtige Auge. In der Einsiedelei Solitain trat solcher Mutterwitz besonders in der Morgenstunde in Herzeloydes Sinn. Er war stets im Augenhintergrund zu sehen. Die Augen bekamen eine Helligkeit, die sie nicht immer hatten.

„Gegenteil von Mutterwitz ist Seelengeiz“

Das von der Mutter mitgegebene Kleid, von dem sich Parsifal nicht trennen wollte, als er schon zum Ritter ausgebildet war.

Das Narrengewand, das Herzeloyde für ihren Parsifal erfand, war eine „Ritterausrüstung aus Pappe und Salatblättern“. Die Blätter, die, wenn sie welkten, erneuert werden mussten, ersetzte sie später durch Stücke aus Daunenseide. Der Junge wusste nicht, wie ihm geschah. In den mittelalterlichen Abbildungen ist das Narrenkleid falsch wiedergegeben als sei es eine Kleidung wie sie später Till Eulenspiegel trug. Tatsächlich glich Parsifals Ausrüstung eher der Tarnuniform heutiger Fallschirmjäger. Ein geflecktes Kleid.

Eine Lehrmeinung Herzeloydes

Herzeloyde lehrt: Liebe ist kein Eisenstück. Auch kein Eisenring wie man ihn einem Stier durch die Nase zieht. Sie ist überhaupt nicht metallen. So lässt sie sich auch nicht „schmieden“.

Sie ist einem Quellwasser ähnlich, das aber so fest ist, dass man darauf gehen kann (und es ist doch nicht aus Eis). So wie Mücken auf der Wasseroberfläche eines Teiches laufen, leichtfüßig in der Morgensonne, rennt die Liebe durch die Adern.

Ein Bel Ami im Mekong-Delta

Er organisiert das Nachschubdepot für die U.S.-Truppen. Mit Sinn für die lebenswichtigen Dinge ergänzte er das Kantinenwesen durch sieben Mannschafts- und zwei Offizierspuffs. Die Verführungskunst, die ihm nachgesagt wurde (aber Frankreichs Herrschaft in Vietnam war schon 1954 beendet worden, er war geblieben), hatte er ausgetauscht gegen die stärkere Macht des Mammons. Er konnte ja nicht die jugendliche Mädchenblüte persönlich zu jedem Offizier und das, was als zweitrangig übrig blieb zu den Mannschaften, eskortieren. Ein Netz aus Geld musste die Führung ersetzen. Das war ein treuloser, stumpfsinniger Herrscher mit wenig Unterscheidungskraft für die Einmaligkeit mancher Huren und auch ihrer militärischen Freier, die oft aus seltsamen Orten inmitten der U.S.A. stammten. So kamen Ejakulationen ohne Faszination zustande, für die doch keiner aus der Fronttruppe das letzte von sich, sein Leben, je hätte einsetzen wollen. Die Truppe wankte. Nur Ernährung des Körpers schafft keine Sieger.

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