Oliver CHAN Siu-kuenHongkong 2024 / 112 min
Suk-jing ist von ganzem Herzen bemüht, eine ‚gute Mutter‘ zu sein. Am Beginn des Tages pumpt sie Muttermilch ab, übergibt ihre Tochter in die Obhut ihrer Schwiegermutter und macht sich auf den Weg zur Bäckerei, in der sie arbeitet. Alles wäre eitel Sonnenschein, gäbe es da nicht ein klitzekleines Problem: die Realität. Das Baby hört nicht auf zu weinen - und Schwiegereltern wie Nachbar*innen nicht, sie dafür zu kritisieren. So geht sie nachts im nahegelegenen Park spazieren, bis das Baby einschläft. Zudem wächst es unterdurchschnittlich, offenbar eine Folge davon, dass sie ‚zu wenig Milch‘ produziert, weitere kritische Kommentare der Schwiegermutter sind vorgezeichnet.
Auch Suk-jings Mann Wai ist keine Hilfe, er tut die ganze Zeit so, als käme sie ihren ‚ureigensten‘ Aufgaben nicht nach, sie fühlt sich von A-Z unverstanden. Als sie schließlich auch noch ihren Job in der Bäckerei verliert, drohen die Wogen über ihr zusammenzuschlagen…
Oliver Chan Siu Kuen hat uns einen Film voll von Realismus und Empathie geschenkt, der unter die Haut geht. Er erzählt von den zentralen Fragen und Problemen, mit denen sich Mütter im Hongkong des 21. Jahrhunderts konfrontiert sehen - aus der Perpektive einer prekär beschäftigten jungen Frau, die zum Scheitern verurteilt scheint, aus ökonomischen wie ideologischen Gründen. Umwerfend in ihrer Rolle die Hauptdarstellerin Hedwig Tam ebenso wie ihre Gegenspielerin Janis Pank in der Rolle der Schwiegermutter. Ein leiser und zugleich bahnbrechender Film: ein Stück Kino der Befreiung.