CHANG Chun-yuTaiwan 2025 / 80 min
Nach drei Jahren Abwesenheit kehrt Nians Mutter Ling nach Taiwan zurück. Sie hat Krebs. Als Nian sie vom Flughafen abholt, ist spürbar, dass Mutter und Tochter eine Art stilles Übereinkommen verbindet. So ist die lesbische Beziehung der Tochter mit Zai ein offenes Geheimnis, das Mutter Ling weder kommentiert noch zu irgendwelchen Erwartungen provoziert. Vielmehr scheint ein gewisses Laissez-faire an der Tagesordnung zu sein. Doch dann stirbt Ling, ihr Tod kommt plötzlich, und Nians Großmutter Hao, die nichts von Nians Lebensgefährtin weiß und eher traditionellen Vorstellungen von der Ordnung der Geschlechter anzuhängen scheint, zieht bei ihr ein. Es folgt ein Wechselbad der Gefühle zwischen gemütlicher Vertrautheit mit der Großmutter und Ängsten vor dem Coming-out – sowie einigen unerwarteten Entdeckung – unter anderem über das Liebesleben von Mutter Ling in China.
Der Terminus Crown Shyness (Baumkronenschüchternheit) beschreibt übrigens das bemerkenswerte Phänomen, dass manche Bäume immer Abstand zu den Kronen der Nachbarbäume halten. Wie wir Menschen uns eventuell doch hier und da wieder mehr aneinander annähern könnten, davon weiß Chang Chun-yu mit diesem wunderbar nuanciert erzählten, höchst gegenwärtigen Drei-Generationen-Drama zu berichten. Danke!