Der Spatz im Kamin


Karen und Markus wohnen mit ihren Kindern in Karens Elternhaus, einem ländlichen Idyll. Zu Markus‘ Geburtstag reist Karens Schwester Jule samt Familie an. Die beiden Schwestern könnten unterschiedlicher nicht sein. Düstere Erinnerungen an die verstorbene Mutter verstärken Jules Drang nach Rebellion gegen das Regime ihrer Schwester. Während sich das Haus zunehmend mit Leben füllt, nimmt in Karen die Anspannung zu, bis sich alles zu einem feurigen Inferno steigert. Ein Inferno, das Altes zerstört, um Neues zu erschaffen.

Mond


Die ehemalige Kampfsportlerin Sarah verlässt Österreich, um drei Schwestern aus einer reichen jordanischen Familie zu trainieren. Was sich nach Traum-Job anhört, nimmt bald beunruhigende Züge an: Die jungen Frauen sind von der Außenwelt abgeschottet und werden konstant überwacht. Sport scheint sie nicht zu interessieren. Was also ist der Grund, dass Sarah engagiert worden ist?

Freies Kino: Constructing Realities


Man kann die Welt bestaunen, bewundern oder verehren, man kann ebenso vor der globale Erwärmung warnen oder entmutigt den Verlust der Artenvielfalt beklagen. Man sie aber auch neu denken, anders entwerfen, dekonstruieren und dann so umgestalten, dass wieder Zuversicht zu finden ist. Parallel zur Ausstellung „Wunderkammer“ im Künstlerhaus hat das FREIE KINO ein Kinoprogramm zusammen gestellt, das künstlerischen Erfahrungswelten, Konstruktionen und Utopien von Wirklichkeiten beinhaltet. Forschung und Kunst vereinen sich zu philosophischen Gedankenexperimenten, die sich auf unterschiedliche Weise in kinematographischer Ästhetik manifestieren, zu Entwürfen, die freie Anknüpfungspunkte anbieten.

Dropping Furniture
2008, 5 min., 35mm
von Paul Horn und Harald Hund

Dropping Furniture zeigt die Zerstörung eines Lebensraumes. Der Film ist konzipiert als symbolisches Bild für den Verlust einer Existenz.
„Was bleibt, wenn nichts mehr bleibt und das Leben buchstäblich auf den Kopf gestellt wird? Dropping Furniture fixiert zunächst zwei leere Zimmer. Leise, kaum wahrnehmbare Sounds erzeugen subtilen Suspense. Nach einigen Sekunden, wenn wir uns fast schon an die existenziell anmutende Leere der scheinbar verlassenen Behausung gewöhnt haben, fallen von oberhalb des Bildrands in Slow Motion zwei Einrichtungsgegenstände in das hintere Zimmer. Dann schwebt im vorderen, großen Zimmer ein Kronleuchter zu Boden, zersplittert und gibt das Startsignal für eine durch zwei fixe Einstellungen strukturierte Choreographie der Zerstörung. Wie von Geisterhand schweben ein Sofa, Leselampe oder ein Sessel mit Stofftieren darnieder. Das Mobiliar eines offenkundig altmodischen, spießigen Wohnzimmers wird entsorgt, um am Boden, orchestriert von einer mit dem verlangsamten Bild synchronisierten, mit viel Hall ausgestatteten Tonspur zu zerbersten. Als schließlich der gewichtige Wandverbau zerschellt ist, beginnt ein Telefon in Echtzeit zu läuten – ein letzter Hinweis auf Kommunikation. Auch die gegen Ende herab fallenden Zimmerpflanzen und das Aquarium geben keine Aufschlüsse auf Urheber und Motivation dieses Aufkündigungsrituals, das eine hintergründige Pointe birgt. Zwar entledigt man sich hier, ähnlich des Klischees von Fernseher aus dem Fenster werfenden Rockstar, in einem Akt der destruktiven Befreiung einer erstickenden Dingwelt. Andererseits beschweren genau die Trümmer den leeren Raum von neuem, füllen ihn mit dem sich ausbreitenden Müll der eigenen Geschichte. Am Ende, nach der Schwarzblende, glauben wir, weitere am Boden aufprallende Gegenstände zu hören. Sie klingen wie das Donnergrollen eines reinigenden Gewitters.“ (Thomas Edlinger)

LOOPS ∞ + 1 = ∞
2007, 10 min.
von Iby-Jolande Varga

5 kinetische Bilder zum Lebensgefühl der Jahrtausendwende. LOOPS ist inspiriert von Neologismen und von einer mathematischen Formel, die das Einzelne dem Unendlichen entgegensetzt. Im Film ist es die größte denkbare Schleife vom Entstehen bis zum Verschwinden unseres Universums, die dem alltäglichen Leben des Menschen in der Zivilisation gegenübersteht. Auf einer zweiten Ebene steht die Schleife zwischen der Welt und der Darstellung und Wahrnehmung der Welt in den modernen Medien: In ihnen spiegeln sich Universum, Erscheinungen der Zivilisation und die Menschen selbst. Erstellt mit Objekttrick – fünf eigens dafür gestaltete plastische Bilder, die durch bewegliche Teile animiert werden. Die Hintergrund-Bilder haben ebenfalls animierbare Elemente.
Gestalterisch ist LOOPS inspiriert von Andachtsbildern, die oft aufwendig, kostbar und detailreich gearbeitet sind und das Auge mit einer dichten allegorischen Welt beschäftigen, in welcher jedes Element der Idee untergeordnet ist, aber ästhetisch auch autonom für sich spricht. Die Musik von Stephen Ferguson nimmt in ihrer Dramaturgie den Faden des Filmes auf, in einem Quasi-Klavierkonzert mit der opulenten Begleitung einer über 100 Spuren umfassenden Klangkomposition.

Curtea de Arges
2007, 5 min.
von Ulrike Swoboda-Ostermann 

„Die Idee ist so einfach wie verblüffend: Ulrike Swoboda-Ostermann montiert Ansichtskarten aus der Verlassenschaft einer gewissen Frau Prade zu einem endlosen Alpenpanorama und erforscht ihre hochartifizielle Landschaft mit dem unbeteiligten Blick einer Wetterkamera. Was dabei herauskommt ist eine fast bedrohliche Welt aus Alpenidylle und Wirtschaftswunder. Im Rhythmus einer sanften, fast lieblichen Musik des Wiener Elektronikduos kilo, wird der mechanische Betrachter dann lebendig; unstet und orientierungslos bohrt er sich wahllos in die Berge hinein, nur um sich in einem weiteren beengenden Tal wiederzufinden. Letztlich bleibt dem auf Wanderschaft geschickten Zuseher nur mehr die Einsicht, dass er sich in dieser eingefrorenen, kräftig colorierten Romantik der 1950er Jahre längst verlaufen hat …“  (Verena Hochleitner)

Untertagüberbau
2017, 17 min.
von Nikolaus Gansterer
Kinoversion einer 3 Kanal-Videoinstallation zur Musik von Martin Siewert

In seiner jüngsten Arbeit inszeniert Nikolaus Gansterer eine Dreikanal-Videoinstallation, die Elemente aus Animationsfilm, Zeichentrickfilm, Live-Zeichnung, Performance und Studioarbeit kombiniert. Der hypnotische Fluss der Bilder erzeugt eine dynamische zeitlich-räumliche Struktur aus poetischen Wirkungen, die die Grenzen zwischen Innen- und Außenwelt, zwischen Nacht und Tag auflöst und tiefere Schichten der Wahrnehmung freilegt. »Untertagüberbau« ist sowohl Modell als auch Ruine, Un-Ort und Utopie – ein treibendes Terrain voller Bezüge und Konnotationen.
„Eine Kreidelinie kreuzt den Bildschirm, macht eine Schleife und setzt ihren Weg fort. Beginnen Sie mit der Auswahl und Einrahmung eines Fragments, nehmen Sie eine Probe und messen Sie. Dann führen Sie die Studiomaterialien (Papier, Kreide, Wasser, Glas), die gefundenen Materialien ( Holz, grünes Blatt) und die eingeladenen Materialien (Schnecken) hin zu Sinnlichkeit, schematischer Rationalisierung oder der Beobachtung der verschiedenen Maßstäbe des Lebendigen durch Sammeln, Experimentieren und Analysieren werden die drei Videos von Nikolaus Gansterer von einer Klangkomposition von Martin Siewert entstand in seinem Studio, während er unter anderem wissenschaftliche Radiosendungen hörte. Untertagüberbau ist eine Videoaufzeichnung von Gesten rund um einen Labortisch. Diese Produktion leitete die Praxis des „Trans-Lesens“ ein. Kommentieren von Sitzungen, die in Situationen des direkten Zuhörens stattfinden, erfolgt durch glückliche Zufälle, nachträgliche Gedanken, das Springen von der Säule zur Säule, das Kommen und Gehen, das Zusammenbrechen und das Auftauchen. Es ist unmöglich, sich sehr lange zu konzentrieren. Die Zerbrechlichkeit eines Staates ist wie ein Windstoß auf einem Fragment.“ (Sophie Orlando)

re-BIRDING
2023, 26 min.
von Michaela Schwentner
Englisch mit deutschen Untertitel

Von Menschen dargestellte Vögel berichten von ihrem Aussterben und vom Verschwinden der biologischen Vielfalt. Was zunächst an einen Trauergesang auf die unzähligen Vogelstimmen erinnert, die wir aufgrund der Ausbeutung der Natur nicht mehr hören können, verwandelt sich in Michaela Schwentners re-BIRDING in eine Federkleid tragende Utopie des friedvollen Zusammenlebens. Assoziationen an die Naturforschungen der US-Philosophin Donna Haraway werden wach, wenn von Repräsentantinnen dargestellte Vögel von ihrem Aussterben berichten, aber auch von den Menschen, die durch das Verschwinden der biologischen Vielfalt letztlich sich selbst schaden. Schließlich verweben sich die unterschiedlichen Stimmen zu einem Chor, um nach Lösungen zu suchen, das Vogelsterben einzudämmen. Dabei verweist die Inszenierung auf Mechanismen der Ausbeutung durch Kolonialismus wie durch den gewaltvollen Eingriff in die Natur. (Patrick Holzapfel)  
„Die musikalische Ebene des Films ist ebenso wichtig wie die visuelle Ebene – die verlorenen Geräusche der Vögel, wesentliche Werkzeuge der Kommunikation und territorialen Manifestation, werden durch den Einsatz künstlicher, instrumentaler Klänge (re)konstruiert oder neu erfunden. Wie hätte ein ausgestorbener Vogel geklungen? (Wie) lässt sich ein Lied in einen zeitgenössischen, künstlichen Klang übersetzen? Aus gesammelten Naturgeräuschen (Feldaufnahmen) und der Entwicklung künstlichen Klangmaterials (Kompositionen) werden unterschiedliche Übersetzungen von Vogelstimmen entwickelt. Bei der Komposition von Stücken für Stimmen und Instrumente beziehe ich mich auf Traditionen, Aufzeichnungen und Interviews sowie auf poetisch-technische Übersetzungen archivierter Vogelaufnahmen und greife dabei musikalische Quellen auf, sowohl historische als auch zeitgenössische.“ (Michaela Schwentner)

Freies Kino
Dienstag, 16. Juli 2024
20:00 Uhr
Freier Eintritt, Zählkarten an der Abendkassa

Eine Veranstaltung vom Künstlerhaus

Freies Kino: Künstlerhaus Kino Spektrum


Anlässlich des von Hubert Sielecki für Mitglieder des Künstlerhauses Wien gestifteten Filmpreises im Bereich des künstlerischen und experimentellen Animations- und Kurzfilms, wird ein Programm aus den eingereichten Werken gezeigt. Neben dem Film “Holes in Light ” der Preisträgerin 2024, Eva Petric, werden Arbeiten verschiedenster Genre und Formate präsentiert. Das Programm wurde von Hubert Sielecki in Zusammenarbeit mit Martina Tritthart und Holger Lang zusammengestellt. Die beteiligten Künstler*innen werden teilweise anwesend sein und im Anschluss an die Vorführung für Fragen und Gespräche zur Verfügung stehen. Laufzeit ca. 70 min.

Holes in Light von Eva Petric | 2024 | 05:49 min.
Indem sie Daten über menschliche Aktivitäten auf der Erde mit Satellitenbildern kombiniert und mit Schattenbildern kommentiert, zeigt Eva Petric den Schatten der Menschheit auf der Erde. Das Video ist eine poetische Entschuldigung des Menschen an die Natur.

Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis von Kurt Brazda | 2022 | 10:00 min.
Dokumentarischer Essay über alles, das ist oder war –

Kari von Veronika Hösch (ex. Burger) | 2020 | 03:23 min.
Die Videoarbeit „Kari“ dokumentiert das „Labor History Mural“ in Bloomington-Normal, Illinois, kurz bevor das verlassene Gebäude abgerissen wurde. Vor dem Hintergrund der oft unsichtbaren Geschichte der Arbeiterklasse habe ich das Wandgemälde gefilmt, das die amerikanische Künstlerin Kari Sandhaas zwischen 1984 und 1986 im ehemaligen Gewerkschaftsraum gemalt hatte. Die Acrylfarbe des Wandgemäldes wurde direkt auf die Holzplatte des Saals aufgetragen und spiegelt Sandhaas‘ Interesse an sozialem Realismus und öffentlicher Kunst wider. Die Szenen basieren auf ihrer lokalen Arbeitergeschichtenforschung und beziehen sich auf die Gewerkschaftskämpfe der Vergangenheit und ihre Auswirkungen auf die heutigen Arbeiter. „Kari“ dokumentiert das verschwindende Wandgemälde und beschäftigt sich mit den Auswirkungen der oft mangelnden Aufmerksamkeit auf die Geschichte der Arbeiterklasse und ihre Versammlungsorte.

Sequence of Tenses von Adele Razkövi | 2020 | 04:00 min.
Kunst brilliert in Krisenzeiten. Tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen veranlassen die größten Köpfe einer Generation, sich eine Utopie vorzustellen, einen „Nicht-Ort“ jenseits der Realitäten, mit denen sie konfrontiert sind. Die Coronavirus-Pandemie hat nicht nur weit verbreitetes Leid in beispiellosem Ausmaß verursacht, Millionen unserer Arbeitsplätze gefährdet und – neben vielem anderen – unsere globalen Reise- und Handelsmuster gestört. Sie hat unsere gesamte Lebensweise in Frage gestellt. Auch wenn wir hoffen, die Krankheit selbst irgendwann zu besiegen, haben wir alle das Gefühl, dass die Welt nach Corona vielleicht nie mehr dieselbe sein wird. Aber die Zukunft passiert nicht einfach – wir erschaffen sie. Künstler in ihrer Funktion als Futuristen werden jetzt mehr denn je gebraucht. Aber sie brauchen uns auch. Ohne Perspektiven, ihre Kunst zu zeigen und mit ihrem Publikum in Kontakt zu treten, sind Künstler existenziell bedroht. Sie müssen mit anderen Menschen, mit ihren Künstlerkollegen und mit der Welt als Ganzes verbunden sein, um sie selbst zu sein.
 

Get me out of my Cage von Xenia Ostrovskaya | 2021 | 06:16 min.
Gesichtslose Wesen in einer dystopischen Welt der absoluten Überwachung ausgesetzt, wie in der Orwellschen Welt eines Big Brothers, oder ist es doch schon zur Realität geworden? In den schattenhaften Korridoren einer urbanen Metropole, wo die Straßen von Neon geblendeten Bildschirmen erhellt werden, wandeln die Menschen wie lebende Schatten. Ihre Gesichter sind hinter Masken, artigen Schleiern aus Technologie verborgen, die Augen von Gläsern und Linsen reflektiert. Die Luft ist gesättigt von einem unsichtbaren Netzwerk aus Daten, das jeden Schritt und jedes Wort erfasst, aufgezeichnet und analysiert. Menschen, einst individuelle Wesen mit eigenen Gedanken und Träumen, sind zu einer homogenen Masse verschmolzen.



Darwin’s Dream von Bettina Patermo | 2024 | 01:23 min.
Diese gezeichneten Kurzanimation entstanden im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für das Projekt “Queer Tango Factory”  im Künstlerhaus.

Vergissmeinnicht or how to become an art object von Ingrid Gaier | 2023 | 05:42 min.
Der Film wirft unter anderem die Frage nach dem kollektiven Gedächtnis auf. Wer entscheidet darüber, was überliefert und was gelöscht und vergessen wird? Anton Bruckners Musik, aber auch seine Haare spielen in diesem Animationsfilm eine zentrale Rolle.

Complex Affairs von Tina Muliar | 2024 | 01:23 min.
Der in Echtzeit über meine Augmented-Reality App „Complex Affairs“ generierte Beitrag ist ein experimentelles – Mixed-Reality – 3D – immersives – filmisches – Erlebnis und stellt eine szenische Annäherung an algorithmische Prozesse dar.

ENTR`LIGNE von Thomas Steiner | 2023 | 04:30 min.
Ein Animationsfilm, der vorkomponierter Musik folgt. Eine experimentelle Visualisierung der Komposition „Interlaced Lines“ von Gerald Resch. Der Film soll eine künstlerische Verschränkung zweier scheinbar konträrer Ansätze sein: Streng komponierte Musik trifft auf eine improvisierte Bildebene, die die musikalischen Themen aufgreift, ohne sie zu illustrieren. Entre ligne ist ein Animationsfilm, in dem sowohl analoge als auch digitale Techniken experimentell eingesetzt und der Ansatz der gestischen Zeichnung zeitgenössisch interpretiert wird.

KREUZKLEID von Isa Stein | 2024 | 2:32 min.
Das Kleid wirkt, als würde es in einem traumähnlichen Zustand getragen. Der Körper wird durch seine Kleidung informiert, scheinbar schwerelos bewegt er sich, leicht entrückt, in einem großen musealen Raum. Das Kleid ist weder Kleidung noch Schutz, vielmehr führt es den Körper in einen transzendentalen Raum. Isa Stein hat ein Kleid aus Steinen, Rosen, Seilen und weißem Leinen geschaffen. Die transparenten Kreuze weisen auf das Verschwinden des Glaubens in unserer Gesellschaft.

Crying in Silence von Asta Cink | 2024 | 00:20 min.
Die traurige Realität ist, dass Frauen immer wieder Opfer von Gewalt durch ihre Partner werden. Diese alarmierende Tatsache wirft wichtige Fragen darüber auf, wie wir als Gesellschaft besser sensibilisiert werden können und welche Mechanismen Frauen daran hindern, rechtzeitig Hilfe zu suchen oder zu finden. Die Unsichtbarkeit des Leidens wird sichtbar und ermöglicht es anderen, sich mit den tiefgreifenden Auswirkungen von Gewalt gegen Frauen auseinanderzusetzen. Das Werk ist ein Aufruf zum Handeln, um diese stille Tragödie zu beenden und eine Welt zu schaffen, in der Frauen und Mädchen sicher und frei von Angst leben können. Wir alle haben die Verantwortung, gegen Gewalt gegen Frauen vorzugehen und eine Kultur der Gleichheit und des Respekts zu fördern. Indem wir zusammenarbeiten, können wir eine Gesellschaft schaffen, in der Frauen frei von Angst und Gewalt leben können.

Ästhetik des Plastiks von Birgit Schweiger | 2021 | 04:29 min.
Mit Folie, mit Plastik, mit Flies. Ein Video, das klassizistisch kanonische Motive, Weiblichkeit sowie Plastikreste verbindet und eine neue Ästhetik durch darin enthaltene organische und anorganische Figuren schafft. Humoristisch, feministisch, rhizomorphisch und tentakulär. Wind formt zarte Figuren an den Kanneluren. Immer anders. Ruhig. Eine fast unheimliche Gelassenheit und gleichzeitige Bestimmtheit formt Körper — zarte, durchsichtige Körper. Figuren entstehen und verschwinden wieder. Ephemere Ästhetik. Melancholische Gedanken tauchen auf. Plastik geschlungen um antike Säulen? Eine verbotene Schönheit öffnet sich. Die Säule passiv, die stille Erhabenheit, wie Johann Joachim Winckelmann es im 19. Jahrhundert formuliert hat, lässt es mit sich geschehen. Kommuniziert. Eine Ode an das Plastik. Eine weibliche Schöpfung. Beides künstlich von Menschenhand geschaffen, ein Plastikkanon. Schöpfungen, die künstlich durch menschliche Neugierde entstehen, durch Anhäufung von Wissen, Traditionsbildung- und Umformung bzw. Erweiterung.

Wo ist Lotte von Petra Zoepnek | 2019 | 09:04 min.
Hommage an Lotte Hass (1928-2015) Sie war die „First Lady des Tauchens“ Unterwassermodels stehen für Lotte, oder besser: Sie springen für sie hinein. Sie springen in die Alte Donau und gehen schwebend auf die Suche, bevor sie verwandelt im Roten Meer wieder auftauchen. Ihre Körperteile und Gliedmaßen flimmern, verschwimmen. Die Bewegungen aller Taucher, des Wassers, der Luft und der geheimnisvollen Pflanzen werden zur kollektiven Aktion. Der Film spielt mit schnellen Wechseln, mit der Ästhetik des Zufalls, seine Poesie ist Fest und Enttäuschung zugleich, der atemlose Schnitt täuscht das langsame Auge. Unter den vielen Unterwasserdarstellern ist Nicola Raunig, die Enkelin von Lotte Hass, die – zeitlich – zentrale Figur aber ist Herbert Nitsch, Weltmeister im Freitauchen. Sein Auftauchen und Abtauchen teilt den Film in zwei Teile, ein Hai folgt ihm, dann hat sich die Szene geändert, von der Alten Donau ins Rote Meer. Neun Minuten und vier Sekunden kann Nitsch unter Wasser bleiben, ohne zu atmen. Genau so lang ist dieser Film: eine Erkundung der Tiefe und des Unbekannten, von Mut und Leidenschaft.

Die Erinnernde Bewegung von Mersolis Schöne | 2020 | 08:45 min.
Was ist der stille Moment zwischen den Gedanken, Augenblicken und Erinnerungen? „Die erinnernde Bewegung“ denkt poetisch über diesen Moment nach. Ein experimentell-poetisches Filmtriptychon: „Denk-Gesang“, „Blick-Grenze“ und „Licht-Gewebe“ auf Grundlage der Gemälde-Assemblage „Poetikweltlichter“ von Marion Steinfellner und des Gedichtes „Inzwischen“ von Mersolis Schöne und Marion Steinfellner. Verbunden durch Michael Fischers Soundscaping, das Poesie und Klang zu einem rhizomatischen Klanggewebe-Triptychon verbindet.



Freies Kino
Dienstag, 09. Juli 2024
20:00 Uhr
Freier Eintritt, Zählkarten an der Abendkassa

Eine Veranstaltung vom Künstlerhaus

Konzertfilm: SOAP & SKIN – Karlskirche, Popfest Wien 2020


Ausgerechnet im Covid-Sommer 2020 der sozialen Distanz trug es sich zu, dass Anja Plaschg alias Soap&Skin – ein Jahrzehnt nach der ersten Ausgabe des Festivals – endlich auf einer Popfest-Bühne stand. Nicht unter freiem Himmel allerdings, sondern im Inneren der Karlskirche, vor den strengen Vorschriften der Zeit entsprechend limitiertem Publikum.

Plaschg, gekleidet in schwarz und weiß, unter blauem Licht an Mikrophon und Tasten, begleitet nur von Emily Stewart (Violine, Gesang), Martin Eberle (Trompete), Martin Ptak (Posaune) und ihren Backing Tracks. „Mit ihrem irgendwo zwischen Popsong und Kunstlied angesiedelten Werk steht Soap&Skin nur theoretisch in irgendwelchen Traditionen. Tatsächlich ist sie ein eigener Planet, karg und wunderschön zugleich“, hatte Gerhard Stöger, Musik-Kritiker im Falter und Ex-Popfest-Kurator, zu diesem Anlass in seiner „Liebeserklärung“ an die Künstlerin geschwärmt, „Aus nichts Welten zu erschaffen: Keine Kunstform prägt diese Magie so stark wie die Musik – und kaum jemand verfügt über derartige Zauberkräfte wie Soap&Skin.“

Die speziellen Umstände jener Tage sind in diesem vom Konzertfilmer-Team „They Shoot Music“ festgehaltenen filmischen Dokument verewigt: Das verstohlene Gefühl des Beiwohnens bei einem noch spezielleren Konzert, das sich anfühlte wie eine verbotene Versammlung.

(Text: Robert Rotifer)

Konzertfilm: VOODOO JÜRGENS – Karlskirche, Popfest Wien 2020


Das Singen in Mundart, der Sprache als „einfach“ missverstandener Leute, es wird kaum irgendwo so leichtfertig praktiziert und ist doch kaum irgendwo so heikel wie in Wien, aus guten historischen Gründen.

Es braucht Hände, eine Stimme und ein Hirn so fein wie die des David Öllerer, wesentlich besser bekannt als Voodoo Jürgens, um treffsicher damit umzugehen. „Erzähle eine Kindheit in vier Zeilen. Packe ein Leben in eine Handvoll Strophen. Wenn das in Österreich jemand kann, dann ist das Voodoo Jürgens“, schrieb FM4-Sumpfistin und Ex-Popfest-Kuratorin Katharina Seidler in ihrem Ankündigungstext zu diesem – aufgrund seiner Umstände – einzigartigen Konzert in der Karlskirche, mitten im ersten Covid-Sommer 2020, abgehalten unter strengen Vorschriften, nicht Schulter an Schulter sondern mit klaffenden Lücken im Publikum.

Vom Konzertfilmer-Team „They Shoot Music“ festgehalten, vermittelt sich das warme Glühen der Intimität, das von Voodoo Jürgens und seiner Band ausgeht, einer Ansa Panier aus Martin Dvoran (Bass), David Schweighart (Schlagzeug), Bernd Lichtscheidl (Tasten), Matthias Frey (Geige, Tasten) und Alexander Kranabetter an Blasinstrumenten.

„Musikalisch“, schrieb Seidler weiter, „hat Voodoo Jürgens mit der Ansa Panier eine kongeniale, ideale Band an seiner Seite. Sie untermalt seine Antifolk-Hörspiele und neuen Austropopsongs, die Balkanpop-Murder Ballads und Rock’n’Roll-Hymnen mit beherzter Verve und der richtigen Portion virtuoser Schlampigkeit. Die Welt ist düster, aber hier ist jemand, der ihre Abgründe beleuchtet und versteht, und er reicht dir gern die Hand und zieht dich aus dem Graben.“

(Text: Robert Rotifer)

Konzertfilm: OSKAR HAAG – Karlskirche, Popfest Wien 2021


Gefilmt wird ja ständig dieser Tage. Die Inflation der bewegten Bilder, das braucht man niemand zu erklären, entwertet das Erlebte. Dennoch gibt es Momente im Lebenslauf, die gehören zweifelsohne gefilmt. Und wir reden hier nicht von Taufe oder Hochzeit, obwohl andererseits irgendwie schon: Jener Abend im Sommer 2021, als sich die Welt des Oskar Haag für immer veränderte.

Der in Klagenfurt aufgewachsene Teenager hatte sich die Pandemie-Zeit hindurch in einen Singer-Songwriter verwandelt. Auf der virtuellen aber doch sehr persönlichen Bühne seiner Soundcloud, in die er blauäugig Songs wie „Stargazing“, „The Summer We Need“ oder „Lullaby“ deponierte, die bei einem wachsenden Online-Publikum Gehör fanden. Darunter Fritz Ostermayer, vertrauenswürdigster Analog-Influencer via die von ihm ko-moderierte FM4-Sendung Im Sumpf, der an seine Hörer*innen mit großer Begeisterung die Kunde vom „riesigen Talent“ dieses Oskar Haag weitertrug. Und natürlich dessen Songs.

Eine nicht mehr zu ignorierende Öffentlichkeit wollte ihn live spielen sehen. Aber was für ein Druck auf den Schultern eines 15-jährigen, sein erstes Konzert – unterstützt nur von seiner schwarzen Akustikgitarre und seinem Laptop – vor einem derart erwartungsvollen Publikum zu spielen. Was für ein Privileg andererseits auch, von ebendiesem Publikum bereits geliebt zu werden, ehe er noch den ersten Ton von sich gegeben hatte. Was für eine Erleichterung das Abfallen der Nerven, das fühlbare Zunehmen jener Liebe mit Fortdauern des Konzerts.

Es war wie gesagt, eine gute Sache, dass das Konzertfilmer-Team „They Shoot Music“ an jenem letzten Abend des Popfests 2021 in der Karlskirche zur Stelle war, als all das passiert ist. Man kann ihn jetzt wiedersehen, im Wissen, was seither alles aus Oskar Haag geworden ist, dem Singer-Songwriter und Schauspieler, der dieses Jahr wieder – mit voller Band auf der Seebühne – beim Popfest auftreten wird.

(Text: Robert Rotifer)

Do the Right Thing


Brütende Hitze liegt über New York. Richtig heiß her geht es jedoch in der Pizzeria des Italo-Amerikaners Sal. Obwohl sein Lokal ein beliebter Treffpunkt der überwiegend afroamerikanischen Nachbarschaft ist, hängen an seiner »Wall of Fame« ausschließlich weiße Persönlichkeiten. Das lässt die Emotionen hochkochen: Es kommt zum Boykott, schließlich zur Konfrontation … In seinem dritten Spielfilm macht Spike Lee alles richtig: Was als Komödie beginnt, entwickelt sich bald zur druckvoll-dynamisch inszenierten Studie über Rassismus und Gewalt. (Florian Widegger)

La Dolce Vita


Marcello (Marcello Mastroianni), ein römischer Klatschjournalist, ist fasziniert und geblendet vom verführerischen, jedoch sinnentleerten Lifestyle der Reichen und Schönen auf der Via Veneto. Zwischen reizvollen Frauen und charismatischen Intellektuellen lässt Marcello sich durch Rom treiben und reflektiert über sein künstlerisches Schaffen und die sich verändernde Gesellschaft, die ihn umgibt. Nach und nach entpuppt sich das von Marcello angestrebte Leben der High Society als eine Welt des Scheins und der Vergänglichkeit.

Der italienische Meisterregisseur Federico Fellini zeigt uns sieben aufeinanderfolgende Tage und Nächte im Leben von Marcello. „Das süße Leben“ ist eine schwarzweiße Allegorie auf das ewige Streben nach Glück in Form eines rhythmischen Zyklus symmetrischer Bildfolgen. Dabei zeichnet Fellini das Bild einer dekadenten Gesellschaft, die sich mit Alkohol und unverbindlichem Sex zu Tode amüsiert.

„La Dolce Vita“, so der Originaltitel, gilt als großes Meisterwerk des italienischen Films. Das Gesellschaftsportrait der römischen Schickeria am Ende der 50er-Jahre wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter die Goldene Palme von Cannes sowie ein Oscar für die besten Kostüme. Die Szene am Trevi-Brunnen mit Anita Ekberg gilt als eine der legendärsten Szenen der Filmgeschichte.

My Summer of Love


An einem heißen Sommertag begegnen sich im Norden Englands zwei Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Mona (Natalie Press) kommt aus der Arbeiterklasse und lebt seit dem Tod ihrer Mutter mit ihrem gottesfürchtigen Bruder Phil (Paddy Considine) zusammen über einem alten Pub. Tamsin (Emily Blunt) stammt aus gutem Hause und ist gerade wegen des schlechten Einflusses, den sie auf andere hat, von ihrem teuren Privatinternat geflogen. Schnell fühlen sich die beiden zueinander hingezogen und erleben einen aufregenden Sommer voller Leidenschaft. Doch während Monas Gefühle aufrichtig sind, ist für Tamsin alles nur ein Spiel …

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