Am Programm stehen jene vier Filme, die beim Österreichischen Filmpreis 2025 in der Kategorie Kurzfilm nominiert bzw. prämiert wurden:
STRANGERS LIKE US – Regie und Drehbuch: Felix Krisai, Pipi Fröstl, Produktion: Felix Krisai, Filmakademie Wien (AT 2024) LACRIMOSA – Regie, Drehbuch und Produktion: Josef Dabernig (AT 2024) SKRFF – Regie, Drehbuch und Produktion: Corrie Francis Parks, Daniel Nuderscher (AT/US 2024) LAND DER BERGE – Auszeichnung Österreichischer Filmpreis 2025 Regie und Drehbuch: Olga Kosanović, Produktion: Deniz Raunig, Rupert Kasper, Olga Kosanović, April April Filme (AT/DE 2023)
Filmemacher Kurt Brazda übernimmt auch dieses Jahr wieder die Moderation. In Anwesenheit der Filmschaffenden bzw. von Teilen der Filmteams. Kuratiert wird die Reihe „FREIES KINO“ von Holger Lang und Martina Tritthart.
Freies Kino 2. Dezember 2025, 20:00 Freier Eintritt, Zählkarten an der Abendkassa Die Filme werden in deutscher Originalversion mit englischen Untertiteln gezeigt.
STRANGERS LIKE US Kurzfilm, AT 2024, 22 min Regie und Drehbuch: Felix Krisai, Pipi Fröstl, Produktion: Felix Krisai, Filmakademie Wien Kamera: Maximilian Smoliner Montage: Barbara Seidler Originalton: Chuqi Lu Musik: Felix Krisai, Noemi Haffner Sounddesign: Nikolaus Gehrer VFX: Alejandra Murillo Rodríguez Szenenbild: Johanna Mitulla, Theresa Kraus Kostüm: Elena Kreuzberger Darsteller:innen: Henrietta Rauth, Sebastian Wendelin, Anna Rot, Achmed Abdel-Salam, Johanna Orsini, Klaus Tauber
Laura und ihr Partner Elias ziehen gemeinsam in die Vorstadt, um dort mit Anfang 30 in eine neue Lebensphase zu starten. Die ersten Gäste, die sie in ihrem geerbten Haus empfangen sind Nina und Patrick – ein Pärchen, das sie kürzlich im Urlaub kennengelernt haben. Der Abend beginnt freundlich, doch eine Reihe befremdlicher Situationen führt zu Spannungen zwischen Laura und Elias. Als sich die Gäste im Haus ihrer Gastgeber zu wohl fühlen und sich Elias dem merkwürdigen Geschehen fügt, beginnt Laura wie paralysiert durch ein Leben zu wandern, das scheinbar nicht mehr ihres ist…
LACRIMOSA Kurzfilm, AT 2024, 11 min Regie, Drehbuch und Produktion: Josef Dabernig Kamera: Christian Giesser Montage: Josef Dabernig Musik: Neppendorfer Blaskapelle Sounddesign: Michael Palm Textautor*in: Bruno Pellandini Darsteller*in: Anni Dabernig, Lore Dabernig, Otto Dabernig, Elin Kruckenberg, Vanja Kruckenberg, Olaf Möller Stimme: Johanna Orsini
Begräbniszeremonien in der Mansarde einer spooky Villa. Die betagte Tante schart Ihre Urgroßnichten zum Trauergebet rund um einen Kindersarg. Gefaltete Hände, verstohlene Blicke, Rosenkranz und Leibstuhl sind Ingredienzen eines exzentrischen Kinderspiels, in welchem die illustre Gruppe zwischen Einschüchterung, Rebellion und einer gefährlichen Treppe über Seinsfragen stolpert.
SKRFF Kurzfilm, AT/US 2024, 7 min Regie, Drehbuch und Produktion: Corrie Francis Parks, Daniel Nuderscher Kamera: Thom Parks Montage: Corrie Francis Parks Szenenbild: Daniel Nuderscher Musik & Sounddesign: Sandro Nicolussi
SKRFF_ology entwickelte sich aus archäologischen Experimenten an Graffitiwänden in Wien. Es entstanden Skulpturen in Skraffitotechnik aus hunderten Schichten Lackfarbe, die aus persönlichem oder politischem Ausdruck über Jahrzehnte hinweg gesprayt wurden. SKRFF komprimiert diese Zeit durch Stop-Motion-Animation in Sekunden, um dem Publikum die Spuren der Vergangenheit zugänglich zu machen. Obwohl die Geschichte niemals in ihrer ganzen Komplexität sichtbar gemacht werden kann, wollen die KünstlerInnen durch diese Auseinandersetzung mit Vergangenem den Blick für eine klare Zukunft schärfen.
LAND DER BERGE – Auszeichnung Österreichischer Filmpreis 2025 Kurzfilm, AT/DE 2023, 28 min Regie und Drehbuch: Olga Kosanović Produktion: Deniz Raunig, Rupert Kasper, Olga Kosanović, April April Filme Kamera: Simone Hart Montage: Sebastian Schreiner Szenenbild: Laura Malmberg Kostüm: Johanna Pflaum Tongestaltung: Theda Schifferdecker, Flora Rajakowitsch, Rudolf Pototschnig Darsteller:innen: Vladimir Vulević, Filipa Gregec, Noah Kaufmann, Julia Edtmeier, Gabriele Roller
Der alleinerziehende Vater Vladimir möchte arbeiten, um mit seiner Tochter in Österreich bleiben zu können und die Traumata der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Das Dilemma: Man darf bleiben, wenn man regelmäßiger Arbeit nachgeht – man darf aber nur arbeiten, wenn man ein Bleiberecht hat. Willkommen im Land der unüberwindbaren Berge.
Invisible Nation
Eine Veranstaltung der Vereinigung der Taiwanesen in Österreich mit anschließender Diskussion.
Taiwan’s first female president, Tsai Ing-wen, centers this portrait of the constantly colonized island, as it struggles to preserve its hard-won democracy, autonomy and freedom from fear of authoritarian aggression.
Unprecedented access to Taiwan’s first female president, Tsai Ing-wen, centers this portrait of the constantly colonized island, as it struggles to preserve its hard-won democracy, autonomy, and freedom from fear of authoritarian aggression. Thorough, incisive, and bristling with tension, Invisible Nation is a living account of Tsai’s tightrope walk as she balances the hopes and dreams of her nation between the colossal geopolitical forces of the U.S. and China. Invisible Nation captures Tsai at work in her country’s vibrant democracy, while seeking full international recognition of Taiwan’s right to exist. At a time when Russia’s invasion of Ukraine has demonstrated the ever-present threat of authoritarian aggression around the world, Invisible Nation brings a punctual focus to the struggles of Taiwan.
Find out more information on the official film website here.
BOUCHRA
ÖSTERREICHPREMIERE
Hast du dich jemals gefragt, wie sich eine lesbische Kojotin bei ihrer Mutter outet? BOUCHRA erzählt die Geschichte einer jungen marokkanischen Filmemacherin in New York, die zwischen Kunst, Identität und den Herausforderungen ihrer Rolle als Tochter in eine Einwander*innen-Familie navigiert. In einer Symphonie aus anthropomorphen Tieren, computeranimierten Effekten und realen szenischen Hintergründen verschwimmen Fantasie und Wirklichkeit und eröffnet zartes, mutige Blicke in Bouchras persönliche Welt. Doch genau diese gerät ins Wanken, als ein Anruf ihrer Mutter alte Wunden der aufreißt. Die Regisseur*innen Orian Barki und Meriem Bennani verweben Animation, dokumentarische Fragmente und gelebte Erfahrungen zu einem eigenen Kosmos, in dem Form und Gefühl eins werden. BOUCHRA ist sexy (Furry-Community, aufgepasst!), humorvoll und überraschend schonungslos – ein Porträt einer jungen Abenteurer*in, die sich selbst treu bleibt.
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Have you ever wondered how a lesbian coyote comes out to her mother? BOUCHRA is a captivating story about a young Moroccan filmmaker living in New York, navigating art, identity, and the challenges of communicating her feelings as a first-generation immigrant with her family abroad. Told through computer-animated animals, dazzling visual effects, and real-life backdrops, the film blurs the line between fantasy and truth. Voiced by Bouchra herself, this delicate work feels both deeply personal and boldly imaginative. Bouchra’s world is suddenly unsettled when a call with her mother stirs old wounds of family and expectation. Directors Orian Barki and Meriem Bennani weave animation, documentary fragments, and lived experience into a world where form mirrors feelings. BOUCHRA is a sexy (furry community, take note!), often hilarious, and disarmingly raw portrait of a person staying true to herself.
Seven Easy Pieces by MARINA ABRAMOVIĆ
SEVEN EASY PIECES zeigt Marina Abramović beim Nachstellen bahnbrechender Performancearbeiten aus den sechziger und siebziger Jahren von Bruce Nauman, Vito Acconci, Valie Export, Gina Pane, Joseph Beuys und ihr selbst. Sie interpretiert diese Arbeiten wie Musikpartituren. Der Film ist eine Reflexion über Performance- und Körperkunst und zeichnet die körperliche Fragilität, Vielseitigkeit, Zähigkeit und uneingeschränkte Belastbarkeit nach, die in den Arbeiten von Marina Abramović zu sehen ist.
Marina Abramović in Brazil: The Space in Between
Eine faszinierende spirituelle Reise durch Brasilien mit der serbischen Performance-Künstlerin Marina Abramović. Sie sucht dort nach persönlicher Heilung ihres emotionalen Schmerzes und nach künstlerischer Inspiration, erlebt heilige Rituale und sucht Heiler und Weise quer durch Brasilien auf. Regisseur Marco Aurélio del Fiol begleitete sie auf dieser Reise und hat daraus eine einzigartige Mischung aus Road Movie, Direct Cinema, Performance-Doku und spirituellem Thriller geschaffen. Der Film porträtiert die vielfältigen spirituellen Aspekte der brasilianischen Kultur ebenso wie den intimen kreativen Prozess einer der wichtigsten Künstlerinnen unserer Zeit.
„Maria Callas ist an einem gebrochen Herz gestorben,“ sagt Abramović, „Ich möchte nicht, dass mir das auch passiert.“ Köperlicher Schmerz mache ihr nicht, aber ihren seelischen Schmerz möchte sie in Brasilien heilen. Sie begibt sich in die verschieden Heilungstechniken Brasiliens, von Kräuter- und Kristall-Behandlungen, einem „psychischen Chirurgen“ und schamanischen Prozessen bis zur psychedelischen Substanz Ayahuasca. Ihr spirituelle Reise führt u.a. nach Chapada Dos Veadeiros, zum Vale Do Amanhecer in Brasilia, nach Bahia, Chapada Diamantina, Curitiba und Minas Gerais.
Marina Abramović, The Artist is Present
Verführerisch, furchtlos und unverschämt: Seit fast 40 Jahren definiert Marina Abramović ständig neu, was Kunst heute bedeutet. Ihre Performances – für die sie ihrem Körper auch mit 65 Jahren noch das äußerste abverlangt – provozieren, schockieren und bewegen. Regisseur Matthew Akers begleitet die Künstlerin vor und während ihrer umfangreichen Einzelausstellung im MoMa. Während der gesamten Ausstellungsdauer von drei Monaten, saß Abramović sechs Tage die Woche, jeweils sieben Stunden in der Mitte des Atriums bewegungslos auf einem Stuhl und ließ mehr als eine halbe Millionen Besucher an sich vorbeiziehen. Die Zuschauer konnten sich einzeln ihr gegenübersetzen… MARINA ABRAMOVIĆ: THE ARTIST IS PRESENT ist eine hypnotisierende Kinoreise und gleichzeitig das intime Porträt einer erstaunlich unwiderstehlichen Frau, die zwischen Leben und Kunst keinen Unterschied macht.
„Die Wirkung einer Marienerscheinung kann nicht stärker sein als die Präsenz dieser radikalen Körperkünstlerin. …und erstaunlicherweise ließ sich dieses auratische Erlebnis mit diesem Film auf die Leinwand reproduzieren.“ Die Zeit
„This is a work of heartbreak.“ Ulay (früherer Lebenspartner und kreativer Mitarbeiter) über den Film
Nördlich von Libyen
„Und dann ist das Meer eben schön und gleichzeitig aber auch ’n Grab“, während Antje vom Mittelmeer erzählt, schläft neben ihr auf dem Sofa ihr kleiner Hund. Antje hat als Sanitäterin auf Seenotrettungsmissionen gearbeitet, ihr Partner Dariush als Kapitän. In Italien ist Dariush wegen „Beihilfe zur illegalen Einwanderung“ angeklagt. Es drohen zwanzig Jahre Haft.
„Nördlich von Libyen“ beginnt in Hamburg als ein Porträt von Antje und Dariush. Ihre Geschichte führt über Europas Außengrenzen hinaus, während die Bilder in der norddeutschen Hafenstadt verbleiben. Zuletzt richtet sich der Blick direkt auf Europas Peripherie. Ein Film über das Nebeneinander zweier Welten.
Youth – Homecoming
Der abschließende Teil von Wang Bings lakonisch monumentaler „Youth“-Trilogie über die jungen Textilarbeiter:innen im chinesischen Zhili funktioniert auch hervorragend als eigenständiger Dokumentarfilm über soziale und wirtschaftliche Ungleichzeitigkeiten im China der (Prä-Covid-)Gegenwart. Mit einigen wenigen Protagonist:innen pendelt „Youth (Homecoming)“ über Jahre hinweg zwischen dem Alltag in Sweatshops und Mietzimmern und seiner alljährlichen Unterbrechung fürs chinesische Neujahrsfest: Die Werkstätten leeren sich, das Kartenspielen nimmt zu, und viele machen sich auf die tagelange Reise ins Heimatdorf. Hochzeiten werden gefeiert, Familienverpflichtungen absolviert, und nicht auf alle wartet danach in derselben Werkstatt wieder ein Arbeitsplatz. Das kleine Filmteam durchmisst Lebensrealitäten mit Handkamera (und diskretem Schnaufen beim Stiegensteigen), zugleich wird der Filmemacher in einigen berührenden Szenen zum Gegenüber für Selbstreflexionen der Arbeiter:innen in ihren Zwanzigern. (Joachim Schätz)
On Falling
Es gibt kaum einen besseren Ort als ein Warenlager im Nirgendwo, um die Auswirkungen der Online-Shopping-Revolution und die Überschneidung von sozialer und finanzieller Prekarität zu zeigen. In „On Falling“ kämpft die portugiesische Migrantin Aurora irgendwo in Schottland Woche für Woche ums Überleben – und gegen die Einsamkeit. Als „Pickerin“ hetzt sie endlose Regale entlang, während ihre Arbeitsleistung unerbittlich überwacht wird. Als Belohnung für herausragende Leistungen winkt ein Schokoriegel. Ein Schulkind wirft ihr bei einer Betriebsbesichtigung ein Zuckerl hin. Willkommen im Arbeitskäfig der Gig Economy.
Regisseurin Laura Carreira verarbeitet in ihrem Spielfilmdebüt eigene Migrationserfahrungen. Verkörpert wird die Protagonistin von der gleichermaßen zurückhaltenden wie herausragenden Joana Santos. Mit ihrem besonderen Gespür für soziale Fragen ist sie drauf und dran die Nachfolge von Ken Loach als Chronistin der neuen Generation der Arbeiter:innenschaft anzutreten. (Jörg Markowitsch)
Österreichpremiere
The Store
Der Discounter-Supermarkt als düstere Utopie des Kapitalismus und des alltäglichen Überlebenskampfs. Kund:innen, die sich um das billigste Angebot prügeln, Obdachlose, die in Abfallcontainern nach Verwertbarem tauchen, und Angestellte, die um Null-Stunden-Verträge ringen müssen. Im Mittelpunkt des Films steht die alleinerziehende Eleni, die als neue Filialleiterin permanentem Druck – sei es von Vorgesetzten, Kolleg:innen und auch der eigenen Mutter – ausgesetzt ist.
Mutig inszeniert kombiniert der Film Stop-Motion-Animation mit Live-Action. Trotz Überlänge bleibt er durchgehend emotional aufgeladen. Die als Puppen gestalteten Alter-Egos der Charaktere beeindrucken ebenso wie die authentischen Schauspielleistungen, die unmittelbar in ihre Welt ziehen. Regisseurin Ami-Ro Sköld verarbeitet ihre eigenen Erfahrungen als Mitarbeiterin in einem Discounter zu einem immersiven, genreübergreifenden Film, in dem ausgerechnet ein Obdachlosencamp Hoffnung auf einen Neubeginn schenkt. (Jörg Markowitsch)