Wie zwei fröhliche Luftschiffer - Daniela Strigl über Heinrich von Kleist und Amour Fou

Eintrag vom 20. Oktober 2014

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Liebe, Romantik und andere Widersprüchlichkeiten: Hintergründe zu Jessica Hausners fulminantem komödiantischem Melodram Amour Fou.

Heinrich von Kleist war ein Mann des Unbedingten, im Leben wie im Schreiben, in der Liebe wie im Tod, aber dass es just die kunstsinnige Landrentmeistersgattin Henriette Vogel war, mit der er am 21. November 1811 im Alter von 34 Jahren Selbstmord beging, hatte etwas beinah Beliebiges. Er hatte sie erst ein Jahr zuvor kennengelernt, sie war, wie die Obduktion bestätigen wird, unheilbar an Gebärmutterkrebs erkrankt; die Freunde berichten von einem platonischen Verhältnis, der Ehemann ließ es jedenfalls zu.

1811 war Kleists Situation trist. Mit seinem Projekt der Berliner Abendblätter war er dank der Zensur bankrottgegangen. Es gelang ihm nicht, als Leutnant wieder in den Dienst des preußischen Königs zu treten. Mit seiner Familie, sogar mit seiner treuen Schwester Ulrike hatte er sich entzweit. Das "vaterländische" Drama, mit dem er Ruhm und Ehre zu erwerben hoffte, blieb ungedruckt, ungespielt - und unbedankt.

Er ist aber auch ein merkwürdiger General, dieser Prinz Friedrich von Homburg. "Träum ich? Wach' ich? Leb' ich? Bin ich bei Sinnen?", ruft er, als man ihm nach seiner eigenmächtigen, obzwar siegreichen Attacke bei Fehrbellin auf Befehl des Kurfürsten den Degen abfordert - die Fragen haben ihre Berechtigung. Er fällt um, als man ihn aus dem Schlafwandeln reißt, er fällt in Ohnmacht, als er zuletzt seine Begnadigung begreift.

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Film

Amour Fou

Jessica Hausner
Deutschland, Luxemburg, Österreich 2014 96 Minuten