Im Glashaus des Begehrens

Eintrag vom 24. November 2016

L'Accademia delle muse - ein philosophisch-sinnliches Liebes-Experiment - ab Freitag im Stadtkino im Künstlerhaus.

Es ist ein Gedankenexperiment, das der katalanische Regisseur José Luis Guerín mit L’Accademia delle Muse auf die Leinwand gießt. Guerín hat sich schon immer für die Frauen und die Kraft der Verführung interessiert, jetzt lässt er sich von der Vorlesung des Literaturprofessors Raffaele Pinto an der Universität Barcelona zu Dante, Beatrice und das Musenkonzept verführen. Gemeinsam mit ihm und seinen Studentinnen initiiert Guerín ein Projekt, in dem es um die Wiederbelebung der Musentradition geht. Das fordert Widerspruch und Diskussionen heraus, denen Guerín in seinem Film Raum gibt: Das Konzept der Musen ist eine auf den ersten Blick überholte und anti-feministische Idee über das Entstehen von Kultur durch weibliche Inspiration. Im patriarchalen Vorlesungssaal der Universität will Pinto das Konzept nun feministisch deuten: Demnach wären die Frauen Subjekte und Urheberinnen des Universums und der Kultur, der Mann wäre nur das Medium oder Sprachrohr ihrer Ideen.

Die Inszenierung spiegelt aufs Meisterliche die Anordnung des Projekts wieder. Ausgehend von der dokumentarischen und realitätsverhafteten Situation im Hörsaal, in dem der Professor seine Vorlesung hält, gleitet L’Accademia delle Muse in die Fiktion hinüber und lässt auf geniale Art sein eigenes Thema zur Geschichte seiner Kreation werden. Die Studentinnen entstammen zwar dem realen Seminar, sind jedoch auch gleichzeitig gecastet, die Dialoge, entlang derer sich der Film entfaltet, sind in Gueríns Methode der Mise en situation zwar nicht inszeniert, so doch in einer hergestellten Situation improvisiert. Mit gedanklichen Einwürfen drängen die Studentinnen von den Rängen des Hörsaals im Gegenschnitt in die Vorlesung des Professors und übernehmen allmählich als kinematographische Figuren die Direktive der Erzählung. Dies erinnert an frühere Filme des Regisseurs, so an En la ciudad de Sylvia (In der Stadt von Sylvia, 2007), wo er sich ebenfalls durch Dante und seine Muse Beatrice leiten ließ und die Stadt als große Bühne der Verführung inszenierte.

Den gesamten Text lesen Sie in unserer Stadtkino-Zeitung.

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