Zum richtigen Zeitpunkt das Falsche tun

Eintrag vom 15. November 2016

Tizza Covi und Rainer Frimmel im Gespräch über Mister Universo.

Tairo Caroli ist uns bereits in La Pivellina (2009) begegnet. Ihr hattet damals bereits den Wunsch, eine Geschichte mit ihm zu drehen. Was hat Tairo schon mit 14 ausgestrahlt, das euch Lust machte, mit ihm einen Film zu machen? Wie hatte er sich entwickelt, als ihr wieder zu ihm Kontakt aufgenommen habt?


TIZZA COVI: Es war schon damals auffällig, dass Tairo das Talent hatte, zum richtigen Zeitpunkt das Falsche zu tun. Das hat viel komisches Potenzial, birgt aber auch eine Traurigkeit und verleiht ihm eine besondere Art von Sympathie. Er vereint viele Facetten in sich, die ihn zu einem sehr ambivalenten Charakter machen.


RAINER FRIMMEL: Wir haben Tairo seit den Dreharbeiten zu La Pivellina nicht aus den Augen verloren und mit ihm immer über eine neues gemeinsames Filmprojekt gesprochen. Insofern hat er darauf gewartet. Es war also kein Wiedersehen nach langer Pause.

In La Pivellina ist es ein Kind, das alleine am Spielplatz ist, in Glanz des Tages ein unbekannter Onkel, der plötzlich ins Leben eines vielbeschäftigten Schauspielers platzt. Nun ist es ein Talisman, der verloren geht. Wie findet ihr in euren Filmen die Anlässe, die die filmische Reise in Gang bringen.

TIZZA COVI: Unsere Geschichten kommen immer sehr einfach daher, es steckt aber eine sehr lange Kopfarbeit dahinter. Im Nachhinein scheint es ganz logisch, dass wir für Tairo und Arthur Robin diese Geschichte geschrieben haben. Arthur Robin ist ein ehemaliger Mister Universum, den wir seit 18 Jahren kennen und mit dem wir schon sehr lange zusammenarbeiten wollten. Er hat in früheren Jahren viele Filmangebote bekommen, aber alle abgelehnt, weil er fixe Engagements beim Zirkus hatte. Bei einem Film wie dem unseren mitzuwirken, bedeutet auch einen geschützten Bereich zu verlassen. Daher hat er lange überlegt, ob er es mit 88 Jahren doch noch wagen sollte. Dass er sich dafür entschieden hat, haben wir aber auch seiner Frau Lilly zu verdanken.

RAINER FRIMMEL: Eine der Herausforderungen, der wir uns immer wieder stellen, ist es, in einer möglichst einfachen Geschichte grundverschiedene Personen miteinander zu verbinden. Unterschiedliche Charaktere, über die wir einen Film machen möchten, müssen zueinander in Beziehung gebracht werden und zwar durch glaubhafte Geschichten, die sich auch wirklich so zutragen könnten.

Der Titel Mister Universo steht für Arthur und jenen Mann, der dank seiner Muskelkraft in seinen jungen Jahren zum stärksten Mann der Welt gekürt wurde. Schwingt nicht auch die Frage mit, wer oder was unser Schicksal beherrscht?

TIZZA COVI: Arthur hat schon als junger Mann sein Schicksal selbst in die Hand genommen. Er hatte nur ein Ziel vor Augen und zwar Mister Universum zu werden. Und das ist ihm nur durch harte Arbeit gelungen. Heute ist Arthur ein glücklicher Mensch. Es ist aber einfacher zu glauben, sein Schicksal wird von anderen Kräften, wie zum Beispiel einem Talisman, bestimmt.

RAINER FRIMMEL: Genau daran glaubt aber Tairo, der sich in den Kopf setzt, dass Arthur ihm ein neues Eisen als Glücksbringer biegen wird und er dann sein Leben wieder in den Griff bekommt. Darum begibt er sich auf die Suche nach Arthur, ohne zu wissen, ob er ihn finden wird oder was ihn dann erwartet. Schön war zu beobachten, dass die Begegnung mit „Mister Universo“ für Tairo wirklich bedeutsam war. Nicht weil er ihm erklärte, wie man Eisen biegt oder seine Kräfte steigert, sondern es passierte etwas auf einer mentalen Ebene. Umgekehrt profitierte auch Arthur von dieser Begegnung. Er ist ein sehr gediegener, stark nach Ritualen lebender Mensch, wo immer alles seine Ordnung haben muss. Und plötzlich drang Tairo in sein Leben, und stellte seine Welt auf den Kopf. Das hätte auch schief gehen können. Er mochte ihn aber sehr.

Das vollständige Interview lesen Sie in unserer Stadtkino-Zeitung.

Film

Mister Universo

Tizza Covi, Rainer Frimmel
Italien, Österreich 2016 90 Minuten