Filmarbeit – Holzarbeit

Eintrag vom 02. Juni 2016

Ab Freitag im Kino: Der bereits mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm Holz Erde Fleisch.

Auf der Diagonale erhielt Sigmund Steiners Langfilmdebüt den Preis für den Besten österreichischen Dokumentarfilm, beim DOK.fest München wurde er als Bester deutschsprachiger Dokumentarfilm prämiert. Ab Freitag kann sich das heimische Publikum in ganz Österreich von Holz Erde Fleisch verzaubern lassen. Auszüge aus einem Gespräch zwischen Sigmund Steiner und Claus Philipp:

Im Vorspann bezeichnest du Holz Erde Fleisch als einen Film über deinen Vater, den man aber im Film nicht sehen kann. Könntest du ein erstes Bild beschreiben, von dem aus du dachtest, es würde Sinn machen, einen Film wie diesen in Angriff zu nehmen?

Ursprünglich wollte ich eine Dokumentation für Arbeit und das Verhältnis vom Arbeitenden zum Material machen. Und eine zweite Idee kreiste um abwesende Väter. Diese beiden Sachen sind in meiner persönlichen Geschichte zusammengekommen und ich hielt es für spannend, sie zu verbinden. Dass ich meinen Vater im Film nicht zeige, hat damit zu tun, dass wir schon länger keinen Kontakt mehr miteinander hatten. Ich hätte es komisch gefunden, „fernsehstyle-mäßig“ an der Haustür anzuklopfen und mit der Kamera mit zu filmen. Das Bild von meinem Vater entspricht ja nicht der „Wahrheit“ sondern es ist so, wie ich es sehe. Mich interessiert, dass sich die Zuschauer ein eigenes Bild von ihm und meiner Beziehung zu ihm aus verschiedenen Teilen zusammenbauen können.

Es gibt ein paar Momente im Film, wo es tatsächlich zu einer Kommunikation zwischen den Generationen kommt - oder auch nicht. Und am Schluss steht fast schon ein Idealbild, wenn der Holzbauer seiner kleinen Tochter sein Hab und Gut gewissermaßen „übergibt“. Ist das eine Situation, die du dir mit deinem Vater gewünscht hättest?

Ja, zum Teil schon. Ich halte es für eine schöne Aufgabe, für ein Stück Boden „verantwortlich“ zu sein, zu schauen, dass es nicht verwildert, dass etwas wachsen kann, dass es einen Sinn hat – ob nun ästhetisch fürs Auge, oder als Futter für Tiere. Irgendwann habe ich halt gesehen, dass das für mich an dem Ort und in der Situation nicht ganz richtig war. Trotzdem finde ich es reizvoll, etwas zu gestalten. Und so wie sich manche in der Stadt vielleicht eine Wohnung einrichten, macht ein guter Bauer das auch mit seinen Feldern und mit seinem Wald.

Eine schöne Pointe des Films ist es, wenn du beginnst deine Filmarbeit mit landwirtschaftlicher Tätigkeit zu vergleichen …

Ich bin irgendwann drauf gekommen, dass Film- und Holzarbeit gar nicht so unterschiedlich sind: In beiden Fällen muss man etwas wegschneiden, damit anderes entstehen kann. Wenn im Wald ein großer einem kleinen Baum das Licht wegnimmt, ist es oft besser, den großen zu schneiden, damit fünf andere vielleicht besser nachwachsen können. Beim Film ist es auch oft so. Es gibt Lieblingsszenen, von denen man sich schwer trennen kann, und wenn man es tut, merkt man vielleicht, dass sie gar nicht so stark sind und jetzt andere dafür zum Licht wachsen können.

Bei Holz Erde Fleisch ließ sich die Geschichte naturgemäß nicht drehbuchartig bestimmen, sie ergab sich aus einer Organik steigenden Vertrauens, je nachdem wie viel die Protagonisten von sich Preis geben wollten. Was hieß Recherche im Vorfeld und wie haben sich im weiteren Verlauf deine Beziehungen zu den Protagonisten verändert?

Wir haben wirklich sehr großes Glück gehabt. Wir waren bei insgesamt fünf Bauern, zwei davon haben nach dem ersten Probedreh gemeint, das wäre nicht das Richtige für sie. Die anderen drei habe ich über Freunde kennen gelernt. Ich fand ihre Ausgangsgeschichten an sich schon spannend: Herbert, der zuerst Grafiker war, ist wieder an den Hof zurückgekommen. Martin, der zwei Töchter hat und vielleicht seinen Betrieb an eine von ihnen weitergeben wird … Zuerst haben wir miteinander telefoniert und ich versuchte zu erklären, was ich machen wollte. Anfangs habe ich mich damit zurück gehalten, dass es ein Film über die problematische Beziehung zu meinem Vater ist, und nur gesagt, dass ich einen Film über bäuerliche Arbeit und Generationsfolge machen möchte, was er ja auch ist. Ich habe dann einen Tag bei den jeweiligen Bauern verbracht, damit wir uns kennen lernen konnten. Und dann hat es sich eigentlich von Drehtag zu Drehtag ergeben, weil sie natürlich gemerkt haben, dass uns dieses Projekt am Herzen liegt und wir nicht bloß ein paar „Sager“ von ihnen wollten. Wesentlich geholfen hat sicher, dass wir nie in einem Haus drehten, sondern immer nur am Feld, im Wald, bei der Arbeit und dass wir nur zu Dritt, Kamera, Ton und ich, waren.

Das ganze Interview finden Sie in unserer aktuellen Stadtkino-Zeitung - eine Übersicht über die Spieltermine in ganz Österreich auf der Filmwebseite.

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