"Ein sanfter, versöhnlicher wunderschöner Film zum Genießen."

Eintrag vom 15. Dezember 2015

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... schreibt der FALTER über den neuen Film von Hirokazu Kore-eda. Ab Freitag im Kino.

Man kann sich den Filmen des japanischen Regisseurs Hirokazu Kore-eda tatsächlich anders nähern als ein Tourist. Das liegt daran, dass hinter den pittoresken Motiven seiner Filme, jenseits der „kulturtypischen“ Szenen, unter den scheinbar so höflich-oberflächlichen Dialogen seiner Figuren und in den oft niedlich anmutenden Szenarien mehr liegt, als bloßes Souvenir.

Wie alarmierend Erinnerung, Verklärung und Gegenwart ineinander greifen, zeigt sich auch in seinem neuen Film Unsere kleine Schwester (der auf einem Manga von Akimi Yoshid basiert), über drei erwachsene Schwestern, die durch den Tod ihres entfremdeten Vaters von der Existenz einer Halbschwester erfahren und sie bei sich aufnehmen.

In einem detailliert bestückten und viel Nostalgie atmenden Haus in Kamakura (einer Stadt am Meer, 50 Kilometer südwestlich von Tokio), das ihrer verstorbenen Großmutter gehörte, leben sie zusammen: Die dem Alkohol nicht ganz abgeneigte Bankangestellte Yoshi (Masam Nagasawa), die Girlie-orientierte Chika (Kaho), die in einem Sportgeschäft arbeitet und Sachi (Haruka Ayase), die reifste der Gruppe, eine Oberschwester im lokalen Krankenhaus, die gerade noch eine Affäre mit einem verheirateten Mann unterhält.

Wenig verrät ihre äußerliche Umgebung oder das doch stets manierierte Verhalten der drei über ihre individuellen Probleme und während die Tage beschaulich dahinfließen, lassen nur minimale Spannungen zwischen ihnen oder feine, beinahe periphäre Einstellungen auf ihre Gesichter hie und da oder auch Bruchstück-Sätze in sonst sorglosen Dialogen ein latentes gemeinsames Trauma erahnen und erst allmählich nachfühlen.

Den vollständigen Text von Alexandra Zawia sowie ein Interview mit dem Regisseur lesen Sie in unserer aktuellen Stadtkino-Zeitung.

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