Der letzte Sommer der Reichen

Eintrag vom 22. April 2015

Der letzte große Anarchist des heimischen Kinos im Gespräch mit Karin Schiefer + Karten für die Premiere gewinnen!

Das gesamte Interview lesen Sie in unserer aktuellen Stadtkino-Zeitung. Zur Premiere am Freitag Abend um 19.30 werden neben zahlreichen Darstellern und Teammitgliedern Regisseur Peter Kern und Schauspieler Winfried Glatzeder erwartet. Gewinnen Sie mit einer kurzen e-mail an office@stadtkinowien.at 2x2 Tickets für die Premiere.

In Ihren bisherigen Filmen haben Sie immer auf einen Ausschnitt in der Gesellschaft geschaut, in DER LETZTE SOMMER DER REICHEN werfen Sie einen viel globaleren Blick auf sie. Es ist ein düsterer und perfider Blick auf recht verkommene Zustände.

Peter Kern: Ich beschäftige mich schon seit zehn Jahren mit dieser Geschichte. Bis sie realisiert wurde, hat es gedauert, da hat sich lange niemand drüber getraut. Einmal mehr haben wir nur mit minimalen Mitteln gearbeitet, die uns letztlich das ÖFI bereitgestellt hat. Für so einen Film bräuchte man 2,5 Mio., wir hatten vielleicht ein Viertel davon. Das hat katastrophale Auswirkungen, weil alle ausgebeutet werden und ich mit meiner eigenen Kraft bis an die Grenzen ging. Tag und Nacht. Daher kommt wahrscheinlich auch meine Krankheit.

Was lieferte vor zehn Jahren schon den Anstoß, dieses Bild von der Gesellschaft zu zeichnen?

Peter Kern: Ich wollte eine Geschichte unter dem Motto „Ein Mann sucht seinen Mörder“ machen. Er sucht jemanden, der ihn umbringt, weil das Leben nicht mehr lebbar ist und er es selbst nicht schafft, sich umzubringen. Ein deutscher Journalist machte mich darauf aufmerksam, dass es diese Geschichte schon bei Aki Kaurismäki I Hired a Contract Killer gäbe. Meine Inspiration geht aber auf Jack Londons Das Mordbüro zurück, das ich in meiner Jugend gelesen habe. Die Grundgeschichte hat sich in meinem Kopf immer weiter gesponnen. Irgendwann wurden zwei Frauen meine Hauptfiguren. Es ist aber keine Lesbengeschichte, sondern eine Liebesgeschichte. Ein Melodram über die Verzweiflung, dass Liebe nicht kaufbar ist, so wie es auch der Tod nicht ist.

Parallel zum Drehbuch von DER LETZTE SOMMER DER REICHEN sind in einem beispiellosen Output mehrere Spielfilme in den letzten Jahren entstanden. Vielleicht zu viele in dieser kurzen Zeit?

Peter Kern: Das Drehbuch-Schreiben machte vielleicht zehn Prozent meiner Gesamttätigkeit aus, ansonsten drehe ich immer wieder an neuen Werken. Das vergangene Jahr war das erste Jahr in meinem Leben, wo ich nichts gemacht habe, weil ich nichts machen konnte, weil keine Kraft mehr da war. Ich stand dem Tod näher als dem Leben. Es war mir alles gleichgültig. Burn-out, alles zusammen. Ich saß da und machte nichts mehr außer fernzusehen. Das Schlimmste, was einem Workaholic wie mir, der immer Geschichten erzählen und die Leute aufstacheln will, passieren kann. So ein Jahr möchte ich nicht noch einmal erleben. Ich bin noch immer nicht der Alte und im bewährten Fahrwasser, an zwei oder drei Projekten arbeitet. Ich bin noch immer ein bisschen gelähmt. Aber jetzt bereite ich mich mal auf die Berlinale vor.

Auch wenn das Grundschema von DER LETZTE SOMMER DER REICHEN schon in der Literatur des frühen 20. Jahrhunderts zu finden ist, so haben Sie es dennoch in aktuelle gesellschaftliche Verhältnisse transferiert. Haben sich Dinge, die sich bereits vor zehn Jahren abzeichneten, umso mehr nun potenziert?

Peter Kern: Potenziert und konkretisiert. Die Figur der Hanna von Stezewitz bringt das überspitzt auf den Punkt. Alle die Bösartigkeiten, die Vergewaltigungen – dass sich eine Person das alles in einer Gesellschaft leisten kann, nur weil sie unglücklich ist. Ich will nicht zu viel erzählen. Ich bin nur überzeugt, dass man selbst Veränderung an sich vollbringen muss. Ich sehe da auch ein Problem in den vielen Aufmärschen, die es zur Zeit gibt. Ich halte das für einen Irrtum. Nur die Liebe kann diese Veränderung bewirken. Die Liebe und der Glaube. DER LETZTE SOMMER DER REICHEN ist eine sehr melodramatische Erzählung, die einen globalen Bogen unseres katastrophalen Untergangs beschreibt. Einen Untergang, der uns allen bevorsteht. Die Kultur hat versagt, unsere Politiker, die mit Kultur beauftragt sind, haben versagt. Es hat schon immer ein paar aufmüpfige Geister gegeben, aber im Grunde hat die Kultur insofern versagt, als sie nicht die gebührende Aufmerksamkeit der Politik hatte und entsprechend gefördert wurde. In den Medien sehe ich nur noch Promis, die sich alle ähnlich schauen, die gelangweilt präsentiert werden, damit wir vergessen, wie wir sein wollen. In der Kunst richten die Medien ihre Aufmerksamkeit auf Stars und Jubiläen, entdeckt wird niemand mehr.

Film