Personal Nick

Eintrag vom 27. Januar 2015

Eine ganz persönliche Liebeserklärung an Nick Cave von Christian Fuchs

Vielleicht fange ich am besten mit einem unvergesslichen Nachmittag im Mai 1987 an. I’m waiting for my man, vor den verschlossenen Türen des Wiener Raimundtheaters. Eigentlich sind es zwei Männer, auf die ich als junges männliches Rock’n’Roll-Groupie warte. Der eine, Nick Cave, damals so etwas wie mein geistiger Ratgeber in Sachen Sex, Tod und kathartischem Krach, soll mit seiner Band The Bad Seeds jeden Moment zum Soundcheck eintreffen. Der andere, Werner Geier, Ausnahmemoderator der Ö3-„Musicbox“ und mein späterer beruflicher Mentor, hat versprochen, mich diskret in den Saal einzuschleusen.

Tatsächlich sitze ich bald im menschenleeren Konzertraum, mit pochendem Herzen. Auf der Bühne wird der Blues geprobt, gedehnt, seziert. Abseits herrscht Unruhe, es gibt heftige Diskussionen um ungesunde Substanzen, die für den abendlichen Auftritt essentiell seien. Ich bin im siebenten Himmel. An den eigentlichen, furiosen Gig erinnere ich mich nur bruchstückhaft, ohne ausgiebigen Barbesuch vorher konnte man seinerzeit kein Konzert anschauen, it’s an eighties thing you wouldn’t understand. Nur Werner Geier, der viel zu früh verstorbene, blitzgescheite, leidenschaftliche Prophet aus dem Äther, blieb immer nüchtern. Mit seiner Gänsehautstimme dozierte er am nächsten Tag, zur Ö3-Primetime, über Mr. Nicholas Cave. Wir schwarzgekleideten Kinder der Nacht, die wir uns an Orten wie dem U4 oder der Blue Box um die Ohren schlugen, lauschten. Es ging in diesen Radioessays um fiebrige Obsessionen als zentrales künstlerisches Gut. Um den Kadaver des Rock’n’Roll, der dank Reanimatoren wie Nick Cave plötzlich wieder energetisch herumzuckte, beseelt vom Geist des späten, tragischen Elvis wie von dem der Schmerzens-Ikone Antonin Artaud ...

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