Unser täglich Brot

Nikolaus Geyrhalter   Österreich 2005

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In geschlossenen Räumen, aseptisch wie eine Prozessoren-Fabrik, schlüpfen Küken, computerüberwacht. Ein riesiger Schlauch saugt Lachse aus einem Fjord. Metallene Zähne fressen sich durch chemisch termingerecht zum Verblühen gebrachte Sonnenblumenfelder. Im Sekundentakt und vollautomatisch werden Hühner zerteilt, Schweine von ihren Gedärmen befreit, nur für Rinder braucht sie etwas länger: die industrielle Nahrungsmittelerzeugung und High-Tech-Landwirtschaft.

Unser täglich Brot zeigt jene Orte, an denen in Europa Nahrungsmittel produziert werden: für Fahrzeuge optimierte, plastifizierte, surreale Landschaften; sterile Räume, in funktioneller, industrieller Architektur, für logistisch-effiziente Abläufe entwickelt; Maschinen, die kalkulierbare Produkte zum reibungslosen Ablauf benötigen. Was wie eine Welt des Science Fiction aussieht, ist Realität. Unsere Nahrung wird in futuristischen Räumen produziert, die selten in den Blickwinkel der Gesellschaft geraten. Für Menschen ist hier wenig Platz, sie wirken wie Fehler in diesem System, falsch dimensioniert, klein, verletzlich, auch wenn sie sich bestmöglich anpassen: hygienische Kleidung, Kopfhörer, Schutzhelme. Man findet sie an den Stellen im Produktionsablauf, für die noch nicht die richtigen Maschinen erfunden wurden. Wenn eine Arbeiterin Pause macht, um zu essen, erscheint das wie ein absurder Kontrast, verweist aber auf den eigentlichen Zweck der utopisch erscheinenden Produktionshallen.

Genau kadrierte Plansequenzen nehmen es mit der Effizienz des Systems auf, machen sie deutlich, stellen sie aus, nähern sich ihr mit einer Mischung aus Faszination und Schaudern. Unser täglich Brot zeigt die industrielle Nahrungsmittelproduktion als Spiegelbild unseres gesellschaftlichen Wertekanons: viel, einfach, schnell, wenige produzieren für uns alle. Kommentarlos und ohne erklärende Interviews entfaltet sich der Film auf der Leinwand wie ein irritierender Traum: ein insistierender Blick, begleitet vom Flirren, Rattern, Schlagen, Schlürfen, hydraulischen Atmen der Maschinen - nur Hühnergeschrei ist lauter. Unser täglich Brot ist eine Einladung an die Neugierde, den Dingen auf den Grund zu gehen; zum Schauen, Hören und Staunen, zum Assoziieren und Nachdenken über den gegenwärtigen Stand unserer Zivilisation. Erst wenn wir etwas wahrnehmen, können wir es auch glauben.

Informationen

Originaltitel
Unser täglich Brot
Deutscher Titel
Unser täglich Brot
Format
35mm
Projektionsformat
1:1,85
Länge
92 Min.
Farbe
Farbe
Starttermin
21. April 2006
Regie
Nikolaus Geyrhalter
Drehbuch
Wolfgang Widerhofer, Nikolaus Geyrhalter
Auszeichnungen

2008

Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie Information & Kultur

2007

Ashland independent film festival Best feature length documentary

2007

Festival internacional de cine contemporaneo de la ciudad de Mexico Spezialpreis Jurado Pfizer

2006

Festival International du Film d'Environnement, Paris, Grand Prix.

Rencontres internationales du documentaire de Montréal EcoCamera Preis.

Nominierung zum Europäischen Filmpreis - Prix Arte

Internationales Dokumentarfilmfestival Jihlava Sonderpreis der Jury.

Ecocinema International Film Festival Athen Bester Film.

Hot Docs Canadian International Documentary Festival Toronto Honourable Mention - Special Jury Prize - International Feature.

Visions du Réel Nyon Special John Templeton Prize.

2005

Amsterdam Special Jury Award.

Kamera
Nikolaus Geyrhalter
Schnitt
Wolfgang Widerhofer
Ton
Stefan Holzer, Andreas Hamza, Hjalti Bager-Jonathansson, Ludwig Löckinger, Heimo Korak, N. Scherg
Produktion
Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion GmbH
Verleih
Stadtkino Filmverleih
Prädikat
k.A.
Altersfreigabe
Ab 10 Jahren